Wohnanalage, Essling

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Zur Zeit des Wettbewerbes schien für die Auslober, – und derer wurden vom Bodenaufbereitungsfond einige bedacht ,- Städtebau an der Stadtgrenze kein Thema zu sein. Das große Europan-Gelände wurde mehr oder weniger verteilt und die Interpretation des Ortes, so wie seine Symbiose mit den vorhandenen Resourcen oblag jedem Planer selbst.

Als Masterplan und Leitprojekt für das Areal der Gesiba wurde der Entwurf von Dzino & Schurz herangezogen. Die Intention war es vor allem eine signifikante Struktur im Kontext zu den wenigen am Ort befindlichen Elementen zu setzten. Die klassischen Parameter eines städtischen Gefüges wurden eingesetzt. Urbaner Raum wird durch einen gepflasterten Hofplatz, öffentliche Straßen werden mittels Hausdurchgänge verbunden und ein kaskadenartiger Wasserlauf verbindet das neu gegründete Zentrum mit dem gewachsenen Häusern an der Colerusgasse. Der Teich im Zentrum der Anlage an welche die Anliegergärten anschließen, die Wasserkaskaden und das verbindende Bächlein zur Colerusgasse wurde vom Bauträger kommentarlos gestrichen.

Die V-förmige, nach Norden geöffnete Anlage dominieren vier Gebäudeblöcke. Judith Eiblmayr beschreibt die Wohnbebauung:

„Die Baukörper selbst sind klar strukturiert, der östliche mit einem sanften Schwung, die beiden westlichen leicht versetzt, in ihrer Linearität auf jene flache, querliedende knallrote ;Box; der Behindertenwerkstätten verweisend. Diese wirkt von der Außenseite der Anlage betrachtet wie ein eingeschobenes Bindeglied, wie ein bewegliches Auflager unter und zwischen den beiden Flügeln des Wohnbaus. Hofseitig erfüllt diese Gelenkfunktion ein spulenförmiger Fluchttreppenturm. Die jeweils ostseitige Erschließung der einzelnen Wohnungen erfolgt über betonierte Laubengänge.“ (1)

Ursprünglich waren die geschlossenen Brüstungen der Laubengänge in einer frei angedockten Stahlkonstruktion angedacht. Die geschwungene Progression sollte noch von einem durchlaufenden Oberlichtfenster (Querlüftung eines jeden Raumes) verstärkt werden. Das Thema offen und geschlossen wurde diametral eingesetzt. Der Masterplan von Dzino & Schurz bedachte auch den linearen Block im Osten als eine in Glas aufgelöste Fassade (Ost – West ausgerichtet) mit einem Viertelkreisabschluß gegen die geschlossene – geschwungene Zeile zu setzten. Die Bauaufgaben wurden geteilt und somit die ursprüngliche Komposition verrückt. Dieser architektonische Gegensatz konnte von den Architekten jedoch im schmäleren Innenhof zelebriert werden, – wo das natürlich rauhe des grauen Betons der Laubengänge – der feingliedrigen vorgehängten Westfassade gegenübergestellt wurde.

Judith Eibmayr beschreibt die architektonische wie räumliche Qualität der Anlage sehr treffend und setzt sich auch mit der Lesbarkeit der Fassaden (jeweils die Westfronten) auseinander.

„Sie sind in schlichtem Hellgrau mit dunkelgrauen Fensterprofilen und – gegebenenfalls – hellgrauem Sonnenschutz gehalten, durch schmale, blau gefärbte Glasscheiben wird die Breite einer Wohneinheit an der Außenhaut des Gebäudes markiert. Unterbrochen wird die Flächigkeit in der Fassadenabwicklung lediglich durch die Loggieneinschnitte.

Im Aufeinandertreffen der zwei unterschiedlichen ausgeformten Seiten im Hof liegt ein quantitativer Reiz für die gesamte Anlage, da eine Art von ergänzender Charakteristik und in der Folge ein spannendes Moment erzeugt wird. Durch die Kenntlichmachung eines der Hauseingänge mit einer schachbrettartigen Fassadengestaltung bietet der Hof eine weitere, ansprechende formale Facette.

Sowohl in seiner Zonierung, als auch in der Proportionierung hält dieser Hof- und Gartenbereich, was der Terminus halböffentlich, als Zentrum der Anlage, zu versprechen sucht; überblickbar, aber nicht zu klein geraten, geschützt, aber dennoch offen für alle Neugierigen, ein Kommunikationsraum von städtischem Gepräge in bislang ländlicher Umgebung, der – auch ohne das Murmeln des Baches – als solcher funktionieren wird.“(2)

Peter H. Schurz

1 Judith Eiblmayr, Stadt,Land in: Architektur & Bauforum

2 wie o.a.